Solare Strafzölle

Kategorie: Allgemein, Tagebuch
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Datum: 13.05.2013

Aktuell wird ja heftig über Strafzöllen auf Solarmodulen aus China debattiert, wie unter anderem hier, hier und hier nachzulesen ist – meiner Meiung nach ist diese Diskussion aber von Grundauf falsch, aus folgenden Gründen:

1.) Strafzölle gegen China werden seitens China ähnliche Reaktionen hervorrufen, also Strafzölle gegen die EU auf andere Produkte, u.a. berichtet auch das Handelsblatt darüber

2.) Die europäischen und hierbei vornehmlich auch die deutsche Solarindustrie flog im siebten Himmel dank öffentlicher Subventionen, Investitionen und extrem hoher Solarstrom-Förderungen, als dies alles heruntergeschraubt wurde, fielen dieselben Firmen die zuvor Millionen-Renditen versprachen Reihenweise ins Koma, woran liegt das? Das ist doch ein generelles Kalkulationsproblem! Wohin sind die Millionen, wenn nicht gar Milliarden verschwunden? Wenn da nicht so manches schwarze Schaf nun einen Ferrari fährt….

3.) Die Innovationskraft in Asien war (und ist!) wesentlich schneller, als bei hiesigen Firmen, wie kommt das? Schliesslich wurde die Solarbranche zumindest ein Jahrzehnt lang als Zukunftsbranche verehrt und auch von der Politik entsprechend hofiert. Nun kommen die Innovationen aber eher aus anderen Ländern, denn aus Europa. Die Solarbranche auch hierzulande liess sich die Butter vom Brot nehmen und das ist nicht oder nur wenig mit den Arbeiter(innen)-Lohnkosten zu verargumentieren und den deshalb angeblic so günstige Solarmodulen aus China. Mangelnde Innovationskraft, Renditejäger und zu fette Chefgehälter sind da wohl eher ein Argument.

4.) „Qualität kostet“ war dem Kunden wohl nicht mehr zu vermitteln, nicht bei prozentual wenig optimierten Modulen aus Europa im Gegensatz zu asiatischen. Obgleich chinesische Module wohl nochmals wesentlich schlechter sind (oder waren?!), als zum Beispiel koreanische, Strafzölle soll es aber nur auf chinesische Module geben.

5.) Insgesamt scheint die ganze Strafzoll-Aktion auf Solarmodule ein – wenn überhaupt sinnvoller, was ich anzweifle – ausserdem viel zu verspäteter Racheakt der EU an China zu sein, was die Solarbranche angeht. Gefühlt sind ohnehin bereits 90% der entsprechenden EU-Firmen abgewickelt oder aktuell in der Insolvenz. Wäre es nicht sinnvoller das Geld in die Entwicklung zu investieren und die Patente dann unter anderem an chinesische Firmen zu lizensieren? Oder sehe ist das alles zu einfach und kopieren chineische Firmen auch ohne die Lizenz einfach alles?

Kann ja sein dass ich bei 5.) falsch liege, aber eine Lösung für das Überleben der europäischen Solarbranche scheint mir der EU-Zoll auf solche Produkte aus China nicht, denn wieso haben wir nicht auch zum Beispiel Strafzölle auf Kleidung, Spielzeug und andere Elektronik aus China? Wollen wir denn diese Branche nicht auch retten? Nonsens….

Mir scheint es so als ob die Politik nur kaschieren möchte dass die sog. „Öffentlichen Investitionen“ in die europäische Solarproduktion wohl eher ein Strohfeuer entfachte, als tatsächlich langfristig, wie allerdorts kommuniziert, Arbeitsplätze zu schaffen. Das eigentliche Problem sind nicht die Billigimporte aus China, die wir sonst so lieben nur (unter anderem) bei Solar eben nicht, sondern Subventionen im Allgemeinen, und da ist die EU auch ganz gross dabei, vor allem bei der Langwirtschaft und eben auch in dieser sog. ehem. Zukunftsbranche. Die EU hat gehofft dass sie im besten Fall Millionen von Arbeitsplätzen schafft mit dieser Tech-Subvention, übrig bleiben aber nur Firmen die sich wirklich abheben und eine Niche finden und nicht mit der Masse mitschwimmen – Massenproduktion wird doch bereits seit Jahrzehnten aus Europa wegverlagert, wieso sollte das in dieser Branche plötzlich anders sein? Die Politik erntet mal wieder unverständliches Kopfschütteln von mir und Ja, ich bin gegen die Strafzölle aber auch gegen Subventionen im Allgemeinen, das hilft niemanden.