4 Jahre – Nicht zu vergessen

Kategorie: Allgemein, News
Datum: 11.03.2015

Heute vor vier Jahren erfuhr Japan die Erdbeben-Katastrophe mit der daraus folgenden Nuklear-Katastrophe in Fukushima-Daiichi, was geschah seitdem? Aus aktuellem Anlass ein kurzer Überblick im Allgemeinen – auch hier bei uns.

Leider ist die Situation vor Ort in dem Fukushima-Daichi Kraftwerk nach wie vor sehr schwierig, was einerseits an verschiedensten Wasser-„Leaks“ liegt, unter anderem dringt Grundwasser im großen Maßstab in die beschädigten Reaktorblöcke ein und verlässt dasselbe dann hoch verstrahlt, andererseits ist der Rückbau wegen der Strahlung äußerst schwierig. Dabei wurde bereits einiges geleistet, tausende Brennstäbe wurde zum Beispiel aus Reaktor 4 entfernt, allerdings gibt es noch über 500 davon in dem ebenfalls sehr kritischen Reaktor drei – diese sollen nun endlich ab April 2015 entfernt werden.

Große Probleme bereiten zudem die inzwischen über 1000 Tanks auf dem Gelände, die knapp 200.000 Tonnen kontaminiertes Wasser enthalten. Bereits mehrfach sollte mit deren Dekontamination begonnen werden, bisher sind das allerdings nur Versprechen geblieben – aber „2015“ ist es nun angeblich so weit. Allerdings dringen nach wie vor etwa 300 Tonnen Liter pro Tag, wie zuvor bereits beschrieben, in die beschädigten Reaktoren ein – das wiederum soll durch eine noch nie dagewesene 1,5km lange sprichwörtliche Eiswand in den Griff bekommen werden. Wohlgemerkt eine tatsächliche Wand aus Eis, welche durch Strom, erzeugt aus den noch laufenden Reaktoren, gekühlt wird. Nur mal hypothetisch, wenn es wieder zu einem Erdbeben in der Region käme – was es bereits gab – und der Strom erneut ausfällt, was dann?

Aber das sind Hirngespinste, genauso wie die Idee „sauberen“ Strom aus Nuklearenergie erzeugen zu können. Erstaunlicherweise vergessen die Menschen langsam wieder dieses zweite Hingespinst, Japan möchte die weiteren Reaktoren im Lande am liebsten wieder ans Netz schalten, dabei gibt es dort, wie auch bei sehr vielen europäischen und US-Kernkraftwerken, AKW’s die mehr als 35 oder gar über 40 Jahre alt sind und eigentlich eingemottet werden müssten. Dieser Rückbau ist unglaublich aufwendig, wie Projekte in Deutschland und England zeigen und auch Japan besorgt dieses Thema, nicht nur weil dort, genauso wie überall sonst auf der Welt, keine wirklich geeigneten, geschweige denn erprobten und gesicherten Endlagerstätten bestehen. Ein totaler Wahnsinn also, denn wir verstrahlen mit möglichen Katastrophen nicht nur das hier und heute, sondern verlagern das Problem der Endlagerung zehntausende (!) Jahre in die Zukunft, das dürfen dann unsere Kinder und alle nachfolgenden Generationen ausbaden. Ich würde behaupten dass das ein Verbrechen ist, eine abscheuliche Generationen-Vergewaltigung, ähnlich der Klimaerwärmung, aber noch diffuser uns schrecklich unsichtbarer.

Aber hierzulande ist aktuell wenig Positives aus der Energiewirtschaft zu berichten: Bayern blockiert den Bau von Windkraftanlagen, aber Stromtrassen unter anderem für Windstrom aus anderen Bundesländern sind angeblich auch nicht gewünscht. Moderne Gaskraftwerke laufen unterdessen nicht profitabel und werden womöglich stillgelegt – bzw. ist es auch ein Geschachere und PR um mehr Geld vom Staat – während Importzölle auf Fotovoltaik verhindern dass dieselbe günstiger angeboten wird, um die restlichen paar tausend Arbeitsplätze zu retten, obwohl gefühlt bereits 95% davon in den letzten Jahren final abgebaut wurden.

Einerseits scheint der Energiewandel zu stocken, andererseits haben Länder wie Indien oder China gar keine anderen Optionen als darin zu investieren. Nur leider scheint der Umschwung wesentlich länger zu dauern als erhofft und die Befürchtung besteht zumindest dass die Klimaerwärmung eher am oberen denn am unteren Ende der befürchteten Skala ausschlägt, aber auch das wohl wieder ein Problem zukünftiger Generationen, wobei Kalifornien bereits einen Vorgeschmack darauf bekommt.

In diesem Sinne, ein ansonsten stilles Gedenken an die Katastrophe(n) in Japan 2011, welche wir als Ermahnung sehen sollten, weniger an uns zu denken, denn an unsere Kinder – auch und vor allem in der Energiepolitik.